Warum ein International Relations Office?

Ein Interview mit Kourosh Modarresi

 

Frage: Das Office of International Relations (IRO) der API ist vor kurzem mit Ihnen als sein Leiter gegründet worden. Warum entschied die API, dieses Büro jetzt zu gründen?

 

Kourosh Modarresi: In einem gewissen Sinn ist diese Entscheidung eine Fortsetzung unserer vorherigen Bemühungen. Obwohl wir als eine politische Partei darauf fokussiert sind, politische Macht im Iran zu gewinnen, und die iranische Gesellschaft zu einer gleichen, freien, offenen, modernen Gesellschaft – einer sozialistischen Gesellschaft – zu leiten, unsere Bewegung, Ziele und Programme sind von einem internationalen Charakter. Die meisten unserer Forderungen und Ziele sind genauso für den Iran gültig, wie für die meist fortschrittlichsten westlichen Länder. In ihrer Essenz gehört die Arbeiterkommunistische Bewegung nicht zu einem spezifischen Land. Direkt vom Anfang, nach dem Kollaps des Sowjetblocks und dem Massenabfall von der linken Seite zum liberalen und konservativen Lager, waren wir eine der wenigen, die gegen diese Tide gerade standen und wir konzentrierten uns auf sehr internationale Angelegenheiten wie Sozialismus, Nationalismus, Demokratie, etc. Unsere englischen, deutschen, schwedischen und türkischen Webseiten und Printdokumente waren im Umlauf für viele Jahre. Weiterhin war unsere Literatur auf arabisch erhältlich durch die Arbeiterkommunistische Partei Iraks, unsere Schwesterpartei im Irak. Trotz dieser Tatsachen sind unsere Bemühungen durch viele Faktoren beschränkt gewesen, die meisten von ihnen außerhalb unserer Kontrolle. Heute haben zwei Faktoren es unerläßlich gemacht, unsere Bemühungen in diesem Bereich zu verdoppeln. Das erste ist die internationale Situation. Die Realität des Kapitalismus hat sich gezeigt. Die Fata Morgana von der Realisierung von Freiheit, Wohlstand, Gleichheit und das besondere Recht, das Leben zu genießen, welches die Sieger des Kalten Krieges und ihre neuen Rekruten von Ex-Linken Journalisten und Kommentatoren versprachen durch Kapitalismus und den den freien Markt, ist beinahe verdunstet. Die Welt muß immer noch geändert werden. Die Notwendigkeit, die Welt zum Besseren zu ändern, hat Aufmerksamkeit zurück auf Marx in den Tendenzen des politischen Denkens gebracht und brachte den Bedarf für sozialistische und kommunistische Ideen zu vielen sozialen Bewegungen zurück, besonders zu Arbeiterbewegungsaktivisten. Gegenwärtige Ereignisse in der antikapitalistischen, 'Anti-Globalisierungs-' und noch kürzlicher, in der 'Anti-Kriegs-' Bewegung gegen den Krieg in Afghanistan haben die Impotenz der Aussichten gezeigt, die diese Bewegungen dominieren, und hat daher einen Wunsch nach neuen Antworten zu alten Fragen dieser Bewegungen geformt. Wie können wir fortfahren? Warum sind wir nicht in der Lage, eine Bewegung zu formen, die die sehr humanistischen Ideale verteidigt, für die die meisten von uns stehen? Wie können wir die Welt in unserer Lebensspanne ändern, etc. ? Nun, wir haben die Antworten, und es gibt jetzt offenere Ohren und neugierigeren Verstand. Wir haben eine zu spielende Rolle.

 

Der zweite Faktor ist die politische Situation im Iran. Die Situation im Iran hat sich dramatisch geändert und damit die Situation der Arbeiterkommunistischen Partei Irans. Wieder ist die Illusion von echter Reform im Iran durch islamistische Parteigruppen verdunstet. Westliche Regierungen und ihre 'anständigen' und 'objektiven' Kumpeljournalisten in der BBC und CNN hatten gewollt, daß wir glauben, daß ein Abscheu für Menschenrechte, Freiheit und Gleichheit kein Teil des politischen Islam ist, welcher dem Iran mit der aktiven Unterstützung des Westens auferlegt wurde, sondern ein Teil unserer 'Kultur'. Die pseudo-intellektuelle Linke hat sich auch dieser kolonialistischen Idee angepaßt. Aber die Realität hat gezeigt, daß Menschen im Iran nach Freiheit und Gleichheit suchen und kämpfen wie jede anderen Menschen im Westen im 21. Jahrhundert. Islamische Reformen sind zu nichts gekommen und bewiesen unser sehr altes Argument, daß es keine Freiheit gibt, und daß da kein anständiges Leben sein kann im Gerüst des politischen Islam. Genau diese Tatsache hat die politische Landschaft im Iran geändert. Die politischen Parteien, die kämpfen, um das islamische Regime zu entfernen für das Wohl gewinnen an Schwung; unter ihnen ist die Arbeiterkommunistische Partei Irans eine der größeren politischen Parteien im Iran geworden. In Wirklichkeit gibt es nur zwei lebensfähige Kräfte: die API und die Monarchisten. Was im Iran geschieht, beeinflußt definitiv sowohl die sozialistische Bewegung als auch jede Bewegung für Gleichheit und Freiheit rund um die Welt. Diese Tatsache zwingt uns,  unsere natürlichen Verbündeten überall auf der Welt zu mobilisieren, und diese Tatsache zu ihrer Aufmerksamkeit zu bringen.

 

Frage: Wer ist das Zielpublikum vom International Relations Office – Arbeiterorganisationen, politische Parteien und / oder die öffentliche Meinung generell?

 

Kourosh Modarresi: Die Ziele sind Sozialisten, Marxisten und ihre Kreise und Organisationen, Arbeiterbewegungsaktivisten, genauso wie Aktivisten jeder Bewegung, die zum Ziel hat, Freiheit und Gleichheit zu erreichen.

 

Frage: Was sind die Ziele des Büros? Wie hoffen Sie, diese Ziele zu erreichen? Wie wird das International Relations Office Arbeiterkommunismus international fördern?

 

Kourosh Modarresi: Das Ziel ist, wie ich zuvor erwähnte, auf unsere Ansichten aufmerksam zu machen bei Marxisten, Sozialisten, und eigentlich bei Aktivisten von verschiedenen Bewegungen, die Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit in verschiedenen Aspekten des sozialen, ökonomischen und politischen Lebens suchen. Wir denken, daß Arbeiterkommunismus eine ursprüngliche und richtige Lösung hat, für die Probleme, die uns in ihren theoretischen, politischen und praktischen Aspekten gegenübertreten. Wir glauben, daß Arbeiterkommunismus, welcher auf der Freiheit und Gleichheit von Menschen basiert, die Antwort ist zu den sozio-ökonomischen Problemen unserer Zeit. Und endgültig, wie ich früher darauf hinwies, es gibt ein Fenster der Gelegenheit, das sich öffnet in der iranischen politischen Situation, durch welches die Arbeiterkommunistische Partei Irans eine Regierung formen kann und solch eine immense und tiefe Änderung am Land bewirken kann, dass sogar die Ergebnisse von westlichen Demokratien im Vergleich verblassen würden. Wir haben keine ähnliche Situation irgendwo anders in der Welt; nirgends ist solch eine echte moderne sozialistische Bewegung so nah an der politischen Macht. Diese Situation zeigt ebenso ein Fenster der Möglichkeit für die weltweite egalitäre Bewegung. Der Aufstieg einer sozialistischen Bewegung und die API an der Macht im Iran, ändern die Aufstellung von der politischen Landschaft der Welt. Solch ein Ereignis bewirkt den Zusammenbruch von kapitalistischen Werten und Ansichten im Verstand von Milliarden von Leuten in einem Blinzeln eines Auges, und bringt sie an die erste Stelle im Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit in einer unvorstellbaren Skala. Dies ist wirklich ein Fenster der Gelegenheit. Die aktive Unterstützung der API von anständigen Aktivisten und Bewegungen, besonders die der Arbeiterbewegung, ist entscheidend, um dies alles passieren zu lassen.

 

Der erste Schritt für uns ist, wenigstens unsere Literatur und unsere Ansichten in Englisch verfügbar zu machen. Wir sollten versuchen, uns in den laufenden Debatten über gegenwärtige internationale Angelegenheiten zu engagieren. Unsere Webseiten und unsere Veröffentlichungen spielen, offensichtlich, eine wichtige Rolle in dieser Bemühung. Das Starten eines Dialogs mit interessierten Parteien und das Organisieren von Meetings und Seminaren, das reinlegen von mehr Bemühungen zu unseren Webseiten auf deutsch, schwedisch, türkisch und wahrscheinlich spanisch und französisch sind, unter anderem, Schritte, die gegangen werden sollten.

 

Frage: Wie paßt das WPI-Briefing in dieses Bild? Wird es in das IRO einbezogen?

 

Kourosh Modarresi: Das WPI-Briefing hatte eine wichtige Rolle, und ich denke, es sollte fortfahren, diese Rolle zu spielen. Das WPI-Briefing ist eines unserer größeren Mittel der Kommunikation mit unserem Publikum international. Diese Zeitschrift ist Teil des Büros für internationale Beziehungen. Wir versuchen beides, es einerseits in anderen Sprachen als englisch zu publizieren - wir geben es schon auf deutsch heraus – und andererseits es mit Material bereitzustellen, welches klar für unser internationales